Der schwierige Patient

Es gibt ihn, es gibt ihn nicht, es gibt ihn, ... 

 

Das Ergebnis dieser Analyse gleich zu Beginn: Den schwierigen Patienten gibt es nicht, er wird erlebt in einem intensiven Interaktionsprozess.

 

Im subjektiven Erleben im Praxisalltag von Ärzten, Psychotherapeuten und anderen Helfern gibt es ihn aber sehr wohl, den unangenehmen, den schwierigen Patienten. 

 

Interessant ist dabei die Tatsache, dass nicht jeder »schwierige« Patient von allen Helfern in gleichem Ausmaß als schwierig erlebt wird, und darüberhinaus auch nicht zu jedem Zeitpunkt als gleich schwierig. Der eine Helfer kommt klar mit dem Patienten, der andere hat größte Schwierigkeiten, und an manchen Tagen ist es leichter als an anderen. Damit ist offensichtlich, dass wir es mit einem komplexen Geschehen zu tun haben, das von vielen Faktoren gesteuert wird. Letztendlich wird der „schwierige Patient“ in einem Interaktionsprozess erlebt, an dem mindestens zwei Personen mit unterschiedlichen Rollen beteiligt sind. Auf der einen Seite beispielsweise der Arzt oder Helfer, auf der anderen Seite der Patient. Darüber hinaus beeinflussen kontextuelle und situative Faktoren das Geschehen, sowohl von Seiten des Patienten als auch des Helfers.

 

Wirft man einen ersten spontanen Blick auf das Konstrukt vom schwierigen Patienten, so ergibt sich die Notwendigkeit, unsere Aufmerksamkeit nacheinander auf Folgendes zu lenken:

  1. die Persönlichkeitsaspekte des Patienten, den wir als schwierig erleben
  2. die Verhaltensweisen, mit denen wir uns schwer tun und die wir von daher als schwierig erleben
  3. die Motive, die wir dem Patienten für seine Verhaltensweisen zu Recht oder zu Unrecht unterstellen
  4. die konkrete Situation, in der wir dem Patienten begegnen: den Ort, die Zeit, die Rahmenbedingungen der Behandlung.