Motive

Problematisch erlebte Motive des schwierigen Patienten


In der Begegnung mit dem Patienten reagieren wir natürlicherweise nicht nur auf seine offensichtlich wahrnehmbaren Äußerungen und Verhaltensweisen, sondern sehr oft viel intensiver auf die ihm dabei zu Recht oder Unrecht unterstellten Motive. Bleiben Sie sich jedoch bewusst, dass Sie zuallererst nur die Handlung des Patienten beobachten können. Das Motiv, der Beweggrund des Handelns, ist bereits eine von uns eingeführte Annahme, die ihre Wirklichkeit erst beweisen muss.


Unsere Reaktionen auf den Patienten stehen und fallen mit unserer Annahme über seine Motive. Wenn uns der Patient eine Frage stellt, gehen wir dann davon aus, dass er mit seiner Frage Sachinformationen möchte? Unterstellen wir ihm das Motiv, uns mit der Frage anklagen zu wollen? Will er für sich Aufmerksamkeit erheischen? Glauben wir, wenn er Schmerzen äußert, sein Motiv sei, dass er beweisen möchte, wie krank er ist und ihm deshalb die beantragte Rente zustehe?


Eine Auswahl von möglichen Motiven, deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen ist:

  • Ich möchte angenommen werden
  • Ich möchte Sachinformation
  • Ich möchte Aufmerksamkeit
  • Ich möchte beweisen wie krank ich bin
  • Ich möchte Rente
  • Ich möchte zeigen, was ich alles weiß und kann
  • Ich möchte Ablehnung vermeiden
  • Ich möchte alles richtig machen
  • Ich möchte Angst verbergen
  • Ich möchte dem Helfer Inkompetenz nachweisen

Von Patienten bei Helfern als problematisch erlebte Motive


In der Begegnung mit dem Helfer reagieren Patienten natürlicherweise nicht nur auf seine offensichtlich wahrnehmbaren Äußerungen und Verhaltensweisen, sondern ebenfalls sehr oft viel intensiver auf die ihm dabei zu Recht oder zu Unrecht unterstellten Motive.

Auch für den Helfer können wir in der jeweiligen Begegnungssituation mit dem Patienten davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Motiven, also Beweggründen, für sein Handeln wirksam sind. Viele Patienten haben eine sehr sensible Antenne dafür, mit welchen problematischen Motiven die Helfer sich ihnen möglicherweise nähern.


Dies können u.a. folgende sein:

  • Ängste: vor Hilflosigkeit, Misserfolg, vor dem Tod, vor Gefühlen (zu intensives Mitgefühl)
  • Übertriebener Wunsch nach Anerkennung
  • Wunsch nach zu viel Nähe zum Patienten
  • Ablehnung des Patienten