Dipl.-Psych. Gert Kowarowsky, "Der schwierige Patient – ein Interaktionsphänomen", situative Aspekte

Situative Aspekte

Für den Patienten schwierige Aspekte in der Situation, in der er auf uns trifft


Unsere Begegnung mit dem Patienten findet nicht im luftleeren Raum statt. Wir begegnen ihm zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Situation, in einem bestimmten Kontext. Viele der nachfolgenden Situationsaspekte haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie harmonisch oder konfliktreich der Patient die Begegnung mit uns erlebt:

  • Ist der Patient unter Zeitdruck?
  • Ist der Patient aus eigenem Interesse hier?
  • Ist der Patient gezwungenermaßen hier?
  • Sind aufgrund der Ausgangssituation für den Patienten wichtige Konsequenzen zu erwarten?
  • Ist die Finanzierung für den Patienten gesichert?
  • Gab es vor der Behandlungssituation andere belastende Tagesereignisse?
  • Ist die Situation für den Patienten neu?
  • Lebt der Patient isoliert?

Manche „schwierige“ Verhaltensweise des Patienten wird für uns viel verständlicher und nachvollziehbarer, wenn wir die zuvor angesprochenen Hintergrundinformationen über die Situation, in der der Patient auf uns trifft, kennen. So manche auf den ersten Blick absonderliche Verhaltensweise verliert gar ihre Etikettierung als schwierig – ist einfach nur normal. Wir können uns gut vorstellen, dass wir uns in der gleichen Situation oftmals kaum anders verhalten würden.


Schwierige Aspekte in der Situation, in der der Patient auf uns als schwierigen Helfer trifft


Auch für den Helfer gilt, dass er dem Patienten in einer aktuellen Situation begegnet, die wesentlich dazu beiträgt, wie die Interaktion zwischen ihm und dem Patienten verlaufen wird. 

Helfer müssen in ihrem Alltag sehr unterschiedlichen, nicht selten auch gegensätzlichen Anforderungen gerecht werden. Betrachten wir deshalb die wichtigsten Aspekte, die die Situation des Helfers prägen, in der er dem Patienten begegnet.

  • Ist der Helfer unter Zeitdruck?
  • Behandelt der Helfer den ersten Patienten des Tages oder den letzten?
  • Ist dem Helfer der Patient bekannt?
  • Wie ist das persönliche Befinden des Helfers?
  • Verfügt der Helfer über die notwendige Kompetenz?
  • Sind die Verantwortlichkeiten klar geregelt? 
  • Wie ist das Arbeitsklima?
  • Steht der Behandler unter institutionellem Druck?