Persönlichkeitsaspekte

Wir sind viele


Handelt es sich beim schwierigen Patienten um einen Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, enthebt auch dies den Helfer nicht der Möglichkeit und Notwendigkeit, das Geschehen aktiv zu beeinflussen. Bei jedem Menschen mit gestörten Persönlichkeitsanteilen gibt es immer auch sehr gesunde Anteile, mit denen eine konstruktive Kommunikation möglich ist. Jeder von uns besteht aus vielen Teilpersönlichkeiten, die alle zeitweise mal mehr, mal weniger unser Denken, Handeln und Empfinden bestimmen. Welche Teilpersönlichkeit des Patienten mit welcher Teilpersönlichkeit des Helfers zusammen trifft, hat entscheidenden Einfluss auf die Interaktion. Erleben wir einen Patienten als schwierig, dann können wir realistischerweise höchstens sagen, dass ein Teil dieses Patienten – nennen wir ihn Teil-Persönlichkeit P1 – der schwierige Patient ist. Es gibt aber auch Teil-Persönlichkeit P2, den Patienten, der beliebter Mittelpunkt eines großen Freundeskreises ist. Schaffen wir es, mit dieser anderen Teilpersönlichkeit in Kontakt zu kommen? Und wie steht es mit dem Helfer selbst? Vielleicht verlangt die Situation, dass der Helfer beispielsweise den Rechthaberischen in sich zum Schweigen bringt und sich von der nachgiebigen Seite zeigt.

 

Besonders wichtig erscheint hier der Hinweis, darauf zu achten, dass ein Patient nicht von vornherein als schwierig abgestempelt wird, nur weil er von Kollegen als solcher beschrieben wurde.

 

Je schwieriger sich der Patient verhält,

desto mehr liebevoller Zuwendung bedarf er.

(V. Denny Yuson-Sanchez)

 

Dieses grundlegende Verständnis schließt das klare Setzen von Grenzen – "Halt! Bis hierher und nicht weiter!" – sehr wohl mit ein. Offen und klar über Strukturen zu kommunizieren ist die Grundlage dafür, Grenzüberschreitungen zu vermeiden, bevor sie eintreten.